Zeig mir dei­nen Gott

Zeig mir dei­nen Gott

Ent­eig­nun­gen, Ver­ban­nun­gen, Prü­ge­lei­en, Ex­kom­mu­ni­ka­tio­nen und noch Schlim­me­res wa­ren die Be­gleit­um­stän­de des Glau­bens­kamp­fes, der im 4. und 5. Jahr­hun­dert um die Drei­fal­tig­keits­leh­re tob­te. Dem­ge­gen­über scheint heu­te al­les ent­spann­ter. Glaub doch, was du willst. Haupt­sa­che, man lässt sich in Ruhe.Und ei­gent­lich ist es eh so: „Am Ende glau­ben doch alle an den­sel­ben Gott.“ Klingt to­le­rant – ist aber oft be­quem. So wie: „Wir es­sen alle gern Ku­chen.“ Als wäre es egal, ob Obst­ku­chen oder Sah­ne­tor­te auf dem Tisch steht. Doch beim DFB-Po­kal­fi­na­le gilt ja auch nicht die Aus­sa­ge, wir mö­gen alle Fuß­ball und ob nun Bay­ern Mün­chen oder Bo­rus­sia Dort­mund ge­winnt, das ist doch am Ende völ­lig egal. Ich möch­te die Bay­ern se­hen, die Dort­mund zu­ju­beln, weil wir doch alle Fuß­ball mögen.

Wenn es um Gott geht, ist es nicht egal, wie wir von ihm re­den. Denn je­des Got­tes­bild zieht Fol­gen nach sich. Wer Gott für fern hält, lebt an­ders als je­mand, der Gott als nah er­lebt. Des­halb ist es nicht von un­ge­fähr, zu fra­gen, wie denn die­ser Gott ist, an den wir glau­ben und was dar­aus für mein all­täg­li­ches Le­ben folgt. Als Christ glau­be ich an den Drei­fal­ti­gen Gott, an den Va­ter und den Sohn und den Hei­li­gen Geist. Das ist eine Ge­schich­te von Be­zie­hung. Gott bleibt nicht auf Di­stanz. In den heu­ti­gen Sonn­tags­tex­ten wird Gott vor al­lem als der mit­lei­den­de, mit­füh­len­de, barm­her­zi­ge Gott ge­schil­dert, dem nichts so am Her­zen liegt wie das Wohl der von ihm ge­schaf­fe­nen Menschen:

„Gott hat die Welt so sehr ge­liebt, dass er sei­nen ein­zi­gen Sohn hin­gab, da­mit je­der, der an ihn glaubt, nicht ver­lo­ren geht, son­dern ewi­ges Le­ben hat.“

Das be­deu­tet: Die Wahr­heit über Gott ist im Kern nicht ein­fach eine Idee, die man ver­tei­digt, son­dern ein Le­ben, das man an­schau­en kann. Je­sus hat nicht nur eine Leh­re über Gott ver­kün­det – er hat ge­lebt, was er ge­sagt hat. Das macht ihn glaubwürdig.

Wenn ei­ner ver­langt ‚Zeig mir dei­nen Gott!‘, dann müss­te ich ant­wor­ten: Sieh un­ser Le­ben an, wie wir uns um Men­schen mü­hen, wie wir mit Kon­flik­ten um­ge­hen, mit ei­ge­ner und frem­der Schuld, wie wir nicht ru­hen an­ge­sichts der Un­ge­rech­tig­keit in der Welt, wie wir Frie­den zu stif­ten ver­su­chen. Dann weißt du, wie un­ser Gott ist. Schau, wie wir dar­auf ver­trau­en, dass wir ge­hal­ten und ge­tra­gen wer­den, dass wir vor Gott wert­vol­le Men­schen sind.

Und viel­leicht könn­ten wir zu­letzt auch noch sa­gen: Sieh, wie wir un­se­re Be­ga­bun­gen ein­set­zen, da­mit an­de­re et­was von uns ha­ben und wie wir uns um ein Kli­ma der Herz­lich­keit be­mü­hen, in dem man auf­at­men und le­ben kann.

Die­ser Gott ist in der Welt ge­gen­wär­tig. Er be­wegt Men­schen – auch heu­te. Also: Er­klärst du noch, oder lebst du es schon?