Wie viel Po­li­tik ver­trägt der Glaube?

Wie viel Po­li­tik ver­trägt der Glaube?

Und wie viel Re­li­gi­on hält die Macht aus?

Über die ge­fähr­li­che Gren­ze zwi­schen Loya­li­tät und Ausverkauf.

Die Fra­ge ist ur­alt. Als man Je­sus in die Zan­ge neh­men woll­te, um ihn ent­we­der als Kol­la­bo­ra­teur oder als Staats­feind ab­zu­stem­peln, kam der be­rühm­te Konter:

„Gebt dem Kai­ser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Got­tes ist.“

Kei­ne Aus­flucht, son­dern eine kla­re Gren­ze: Der Kai­ser hat be­rech­tig­te An­sprü­che, aber nicht auf al­les. Er be­kommt Steu­ern, Ge­set­ze, Loya­li­tät im Welt­li­chen. Aber er er­hält nie­mals die See­le, nie­mals das Ge­wis­sen, nie­mals die letz­te Hin­ga­be.
Denn auf der Mün­ze prangt das Bild des Kai­sers. Auf dem Men­schen liegt das Bild Got­tes und da­mit eine Wür­de, die kein Staat ver­leiht und kei­ner strei­chen kann.

Dar­aus er­ge­ben sich zwei Leitplanken:

  1. Loya­li­tät: Der Staat schützt vor Will­kür und Cha­os. Sei­ne Ver­ant­wor­tung ist es, ge­rech­te Struk­tu­ren für alle zu schaf­fen. Wer die­se Ver­ant­wor­tung trägt, ver­dient fai­ren Re­spekt statt pau­scha­ler Verachtung.
  2. Gren­ze: Der Staat ist we­der Heils­brin­ger noch Ge­wis­sens­rich­ter. Po­li­tik ist feh­ler­haf­te Kom­pro­miss­su­che im Vor­letz­ten. Wer sie zur Er­satz­re­li­gi­on er­hebt, drif­tet in den Fa­na­tis­mus ab. Denn kein welt­li­ches Reich ist mit dem Reich Got­tes iden­tisch. So for­mu­lier­te schon Au­gus­ti­nus pointiert:

„Nimm die Ge­rech­tig­keit weg, was ist dann ein Staat an­de­res als eine gro­ße Räuberbande?“

Wie ernst die­se Gren­ze sein kann, zeigt Diet­rich Bon­hoef­fer. Er for­mu­liert drei Stu­fen, wie man dem Staat begegnet:

  1. Den Staat nach der Recht­mä­ßig­keit sei­nes Han­delns befragen.
  2. Den Op­fern staat­li­chen Han­delns bei­ste­hen – gleich wel­cher Religion.
  3. Und wenn der Staat das Recht zerstört:

„Nicht nur die Op­fer un­ter dem Rad ver­bin­den, son­dern dem Rad selbst in die Spei­chen fallen.“

Bon­hoef­fer hat da­für mit sei­nem Le­ben bezahlt.

Un­ser All­tag ver­langt we­ni­ger He­ro­is­mus, aber Ent­schie­den­heit. Drei Fel­der, auf de­nen sich Hal­tung heu­te beweist:

  • So­zia­le Ge­rech­tig­keit: fai­re Ar­beit, be­zahl­ba­res Woh­nen, kein Erbe der Ar­mut. Das al­les nicht als so­zia­lis­ti­sches Dog­ma, son­dern als ele­men­ta­re Pflicht ge­gen­über dem Nächsten.
  • Schöp­fung: Wir sind Päch­ter die­ser Welt, kei­ne Besitzer.
  • De­bat­ten­kul­tur: Ein Christ kann über Steu­er­sät­ze, Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben oder Mi­gra­ti­on kon­tro­vers strei­ten. Er kann aber nie­mals ver­han­deln über die un­an­tast­ba­re Wür­de des Men­schen. Wer Men­schen zu Un­ge­zie­fer, blo­ßen Wirt­schafts­fak­to­ren oder Staats­fein­den de­gra­diert, hat Chris­tus den Krieg erklärt.

Wah­re Hal­tung zeigt sich dar­in, nicht jede De­bat­te zur Are­na für das ei­ge­ne Ego zu ma­chen, son­dern un­be­stech­lich zu blei­ben: hart in der Sa­che, frei vom bil­li­gen Rausch der Ver­ach­tung. Wer glaubt, mischt sich ein: nüch­tern im Ur­teil, un­beug­sam in der Wür­de des Men­schen, mil­de im Ton.