Wie im Himmel

Wie im Himmel

Grab­stein­übung 

Die­se Übung er­in­nert uns dar­an, was uns wich­tig ist. Und sie setzt mehr Auf­merk­sam­keit da­für frei: 

  1. Stel­len Sie sich vor, Sie schlen­dern über ei­nen Fried­hof und be­trach­ten un­ter- schied­li­che Grab­stei­ne. Dort fin­den Sie nicht nur die Na­men der Ver­stor­be­nen, son­dern auch das, wo­nach sie ihr Le­ben aus­ge­rich­tet hatten
  2. Auf ei­nem Grab­stein se­hen Sie die In­schrift: „Hier ruht Anna M., ihr Le­ben war dem Kampf ge­gen Ängs­te ge­wid­met.“ Auf ei­nem an­de­ren steht: „Hier ruht Mi­ch­al S., er hat stets al­les da­für ge­ge­ben, ein biss­chen ab­zu­neh­men.“ Auch auf den an­de­ren Grab­stei­nen ist ver­ewigt, wie sich die Ver­stor­be­nen ver­aus­gabt ha­ben, in­dem sie schmerz­haf­te Ge­füh­le, Ge­dan­ken und Kör­per­emp­fin­dun­gen von sich ab­hal­ten wollten.
  3. Über­le­gen Sie sich, wie viel En­er­gie Sie in Ih­rem All­tag auf­wen­den beim Ver­such, Ne­ga­ti­ves abzuwehren
  4. Ma­chen Sie sich nun Ge­dan­ken, was auf Ih­rem ei­ge­nen Grab­stein ste­hen könn­te. Wie wür­de die In­schrift lau­ten, wenn Sie Ihre Kraft wei­ter­hin für all das ver­brau­chen, was Sie als schwie­rig erleben?
  5. Über­le­gen Sie nun, was dort stün­de, wenn Sie die­se Kämp­fe auf­ge­ben wür­den. An­ge­nom­men, Sie wür­den Ihr Le­ben so ge­stal­ten, dass das, was Ih­nen wirk­lich wich­tig ist, voll und ganz zur Gel­tung kommt. Was wür­de dann auf Ih­rem Grab­stein stehen?
  6. Die­se Re­fle­xio­nen hel­fen Ih­nen, sich Ih­rer Wer­te be­wuss­ter zu wer­den. Da­nach Kön­nen Sie sich fra­gen, was Sie die­sen nä­her­bringt. Neh­men wir an, es gin­ge Ih­nen um So­li­da­ri­tät. In wel­chen Si­tua­tio­nen ge­ben Sie Halt oder füh­len sich von an­de­ren auf­ge­fan­gen? Über­le­gen Sie dann, wie Sie So­li­da­ri­tät noch häu­fi­ger oder in­ten­si­ver le­ben und er­le­ben kön­nen, zum Bei­spiel in­dem Sie sich eh­ren­amt­lich engagieren

 

Die Nähe des To­des führt Men­schen mehr in die Le­bens­wahr­heit  

An­ge­sichts des To­des gibt es Ver­schie­bung des Le­bens­the­men. Das Pro­blem ist nicht der Tod, son­dern ein un­ge­nutz­tes oder gar ver­schwen­de­tes Le­ben. 

Nach Jah­ren in ei­ner Bank kün­digt die da­mals Ende Zwan­zig­jäh­ri­ge ihre Stel­le und zieht durch die Welt, macht erst Sta­ti­on auf ei­ner Süd­see­insel, wo sie in ei­ner Bar ar­bei­tet, dann in Surrey im Süd­os­ten Eng­lands. Dort ar­bei­tet die Aus­tra­lie­rin zum ers­ten Mal in dem Job, den sie für mehr als acht Jah­re aus­üben wird: Bron­nie Ware wird Pal­lia­tiv­pfle­ge­rin – für Tod­kran­ke, für Ster­ben­de, für die, die ih­ren Tod kom­men se­hen, und die, die nichts da­von wis­sen wol­len. Sie fasst ihre Er­fah­run­gen im Buch ‚5 Din­ge die Ster­ben­de am meis­ten be­reu­en‘ zu­sam­men: 

  1. »Ich wünsch­te, ich hät­te den Mut ge­habt, mein ei­ge­nes Le­ben zu leben«
    • Ich habe mich mehr nach den Er­war­tun­gen an­de­rer ge­rich­tet, habe mei­ne Prin­zi­pi­en zu sehr über­gan­gen und mich dem Er­war­tungs­druck an­de­rer ge­beugt 
  2. »Ich wünsch­te, ich hät­te nicht so viel gearbeitet«
  3. »Ich wünsch­te, ich hät­te den Mut ge­habt, mei­ne Ge­füh­le auszudrücken«
    • Ei­gent­lich wäre da was in mei­nem Her­zen ge­we­sen, aber ich habe es nicht über die Lip­pen ge­bracht, ich habe mich nicht getraut
  4. »Ich wünsch­te mir, ich hät­te den Kon­takt zu mei­nen Freun­den aufrechterhalten«
  5. »Ich wünsch­te, ich hät­te mir er­laubt, glück­li­cher zu sein« 

 

Vie­le äu­ße­re Din­ge, die uns sonst im Le­ben wich­tig sind, fal­len auf ein­mal weg 

Eine me­di­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung und eine gute Hil­fe ge­gen Schmer­zen ist Grund­vor­aus­set­zung. Eine Sor­ge wächst al­ler­dings: al­lein und ver­las­sen, ohne Men­schen, de­nen man et­was be­deu­tet, ge­hen zu müs­sen. Al­les, was am Schluss bleibt, sind Be­zie­hun­gen. 

 

Al­les ech­te Le­ben ist Be­zie­hung 

Wie kommt der Mensch aus Be­zie­hungs­lo­sig­keit, was ver­än­dert den Men­schen? Die Lie­be! Je­sus hat den Tod be­siegt, weil er so sehr ge­liebt hat. Der Sieg über den Tod ist die Lie­be. Lie­be sehnt sich nach Ewig­keit und en­det nicht an der Gra­bes­kan­te. 

Wir wis­sen, dass wir vom ewi­gen Tod ge­ret­tet wur­den und jetzt neu­es Le­ben ha­ben. Das zeigt sich an der Lie­be zu un­se­ren Brü­dern und Schwes­tern. Wer nicht liebt, der bleibt dem Tod aus­ge­lie­fert. 

1Joh 3,14 

Lie­be ist der Ga­rant da­für, dass wir im Tod nicht hän­gen blei­ben. 

 

Was voll­kom­men ward, al­les Rei­fe — will ster­ben! 

(…) 

Aber al­les Un­rei­fe will le­ben: wehe! 

Fried­rich Nietz­sche 

  • Eine Frucht, die im­mer grün blei­ben will, ist un­ge­nieß­bar. So sind im Anti-Aging Zeit­al­ter lei­der wohl auch vie­le Men­schen. Sie wol­len nicht reif wer­den, weil sie Angst da­vor ha­ben, ster­ben zu müs­sen und des­we­gen blei­ben sie un­ge­nieß­bar und ster­ben den schlech­ten, un­frucht­ba­ren Tod des Selbsterhaltes.
  • Eine rei­fe Frucht stirbt ir­gend­wann, aber nur da­durch ist ihr neu­es Frucht­brin­gen möglich.

 

Le­ben­dig ist das Le­ben nur im Maße sei­ner Hoff­nung, des Hin­aus­wach­sens über sich selbst, der Selbst­lo­sig­keit. Das Le­ben ist nur in dem Maße reich, wie es arm zu sein ver­mag, d.h. liebt. 

Fer­di­nand Ul­rich 

  • Das Maß un­se­rer Lie­bes­fä­hig­keit, zeigt sich im Maß un­se­rer Fä­hig­keit zu­zu­hö­ren. Denn im Zu­hö­ren bin ich of­fen für den an­de­ren und ster­be dem ei­ge­nen Wunsch, mich durch­zu­set­zen. Des­we­gen sagt Je­sus z.B. auch: 

Ich sage euch die Wahr­heit: Wer mei­ne Bot­schaft hört und dem glaubt, der mich ge­sandt hat, der hat das ewi­ge Le­ben. (…) Er hat die Gren­ze vom Tod zum Le­ben schon über­schrit­ten. (Jo­han­nes 5,24) 

  • Da, wo wir den Tod an­er­ken­nen, mu­tig Ja sa­gen zum Le­ben auch in­mit­ten von Angst und Zu­mu­tun­gen, Lei­den und Ver­letz­bar­keit; da, wo wir zu Hü­tern un­se­rer Ge­schwis­ter wer­den und aus Lie­be le­ben, da ha­ben wir hier und heu­te schon spür­ba­ren An­teil am Sieg über den Tod, den Je­sus für uns er­run­gen hat. 

 

GE­BET

Gott, ich den­ke an dich. 
Für ei­nen Mo­ment möch­te ich in­ne­hal­ten 
wäh­rend mei­ner Ar­beit, 
in mei­nem Fa­mi­li­en­all­tag, in mei­nem Tun … 
um mir be­wusst zu ma­chen, dass du da bist. 
Du siehst mich und du weißt, wie es mir geht. 
Ich will dich teil­ha­ben las­sen an mei­nem Le­ben. 
Geh mit mir durch den Tag 
und gib gut auf mich acht. 
Amen.