»Was für Ge­dan­ken habt ihr im Her­zen« (Mk 2,8)

»Was für Ge­dan­ken habt ihr im Her­zen« (Mk 2,8)

„Was für Ge­dan­ken habt ihr im Her­zen?“ Im Her­zen, das meint, eben dort, wo un­se­re Mit­te ist, dort wo er­ken­nen und Hand­lung ent­ste­hen. Wo das Den­ken in die Hand­lung fließt. Die­se Ge­dan­ken und Ur­tei­le blo­ckie­ren oder mo­ti­vie­ren, schaf­fen Raum oder Enge. Ge­dan­ken sind kei­ne Fliegengewichte!

Die Fra­ge Jesu zielt nicht dar­auf, dass wir kei­ne Ge­dan­ken oder Mei­nun­gen ha­ben dür­fen. Doch wel­cher Art sind sie? Wozu füh­ren sie? Un­se­re Ge­dan­ken sind eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Sie sind die Bril­len­glä­ser, durch die wir uns und un­se­re Um­welt anschauen.

Im Jü­di­schen Tal­mud gibt es eine Kurzweisheit:

„Ach­te auf dei­ne Ge­dan­ken, denn sie wer­den Worte.

Ach­te auf dei­ne Wor­te, denn sie wer­den Handlungen.

Ach­te auf dei­ne Hand­lun­gen, denn sie wer­den Gewohnheiten.

Ach­te auf dei­ne Ge­wohn­hei­ten, denn sie wer­den dein Charakter.

Ach­te auf dei­nen Cha­rak­ter, denn er wird dein Schicksal.“

Am An­fang, als Quel­le, die al­les be­stimmt, ste­hen mei­ne Ge­dan­ken. Sie er­grei­fen nach und nach alle Be­rei­che mei­nes Le­bens. Das kann mich zum ewi­gen Nörg­ler, Pes­si­mis­ten, Frus­trier­ten und Zi­tro­nen­bei­ßer ma­chen oder zu ei­nem Men­schen der Weit­her­zig­keit, der Hoff­nung, der Fried­fer­tig­keit, des Hu­mors. Was aus mei­nem Le­ben wird, be­ginnt nicht bei den Hand­lun­gen, son­dern bei mei­nen Ge­dan­ken, die ich im Her­zen trage.

Aber, als ob wir un­ser Den­ken und Ur­tei­len so ein­fach im Griff hät­ten, oder in den Griff be­kom­men könn­ten? Meis­tens ver­mischt sich in un­se­rem Her­zen doch so ei­ni­ges an Ge­füh­len und Ge­dan­ken. Auch Je­sus weiß in den Evan­ge­li­en sehr wohl um die Ab­grün­dig­keit un­se­res Her­zens. Im Jo­han­nes­evan­ge­li­um heißt es schlicht: „Er wuss­te, was im Men­schen war…“ (Joh 2, 25) und im Mar­kus­evan­ge­li­um heißt es sehr nüch­tern: Nicht was von au­ßen in den Men­schen kommt, macht ihn un­rein, son­dern, „was aus dem Men­schen her­aus­kommt, das macht ihn un­rein. Denn von in­nen, aus dem Her­zen der Men­schen, kom­men die bö­sen Ge­dan­ken“ (Mk 7,20–23a) und dann die Ta­ten wie Mord, Hab­gier, Bos­heit und Neid.

Wer nur ein we­nig rea­lis­tisch auf sich sel­ber schaut, der weiß, das ist al­les in mir! Es steigt manch­mal ein­fach so in mir auf und wir wis­sen nicht ein­mal, war­um wir sol­che Ge­dan­ken ha­ben. Und manch­mal er­for­dert es auch eine kla­re Ent­schei­dung ge­wis­sen Ge­dan­ken­mons­tern im Kopf nicht wei­ter nachzujagen.

Ei­ni­ges kann man durch Klug­heit ver­hin­dern und doch ste­hen wir nicht sel­ten vor ei­nem Di­lem­ma: Wir wis­sen, wie viel un­ser täg­li­ches Den­ken und Ur­tei­len un­ser Le­ben be­stimmt und prägt und gleich­zei­tig wis­sen wir, wie schwer es ist, un­se­rem Her­zen beizukommen.

Der gro­ße eng­li­sche Kar­di­nal New­man schrieb: „Nur Gött­li­ches kann das Herz er­neu­ern.“ Gott selbst muss uns das rich­ti­ge Den­ken über die Welt und den Men­schen ins Herz le­gen. Gott selbst muss sich uns ins Herz legen.

 

GOT­TES HERZENSGEDANKE

Auch Gott trägt Ge­dan­ken in sei­nem Her­zen. Got­tes Grund­ge­dan­ke ist das Ja! Das ist sein Her­zens­ge­dan­ke: Das Ja zur Welt. Das Ja zum Men­schen. Das Ja zu mir in al­len Le­bens­la­gen. Das Ja zu mir in al­lem und trotz allem.

Was Gott für Ge­dan­ken im Her­zen trägt, das ist in Je­sus sicht­bar, greif­bar und spür­bar ge­wor­den: „Er ist das Ja zu al­lem, was Gott ver­hei­ßen hat.“ Das soll auch un­ser Herz prägen.

Je­sus weiß, zu wel­cher Grö­ße und zu wel­cher Ab­grün­dig­keit wir in der Lage sind.

Es ist kei­ne Ne­ben­säch­lich­keit wenn das Mk-Evan­ge­li­um schreibt: „Er­neu­ert euer Den­ken und glaubt an die fro­he Bot­schaft.“ (Mk 1,15) Am An­fang un­se­res christ­li­chen Le­bens steht ein neu­es Den­ken. Christ­li­che Um­kehr be­deu­tet neu, an­ders über mich, die Schöp­fung, den Mit­men­schen und das Le­ben zu Den­ken. Das Ja zum Le­ben je­den Tag an den An­fang al­ler Ge­dan­ken zu stel­len, ist eine Den­kre­vo­lu­ti­on und Herz­er­wei­tung. Viel­leicht ist das Ja die kür­zes­tes Form des Gebetes.

 

HER­ZENS­BIL­DUNG

Wie aber wächst und bil­det sich das Herz am Si­chers­ten? Wir ha­ben aber nicht ein­fach ein Herz, nein, wir müs­sen uns ein Herz neh­men und zwar für den An­de­ren. Dann wächst un­ser Herz.

Un­ser Herz muss nicht rein und gut sein, son­dern un­ser Herz wird rein, und es lernt die Güte durch un­se­re Ta­ten der Güte. Es gibt ei­nen Mut zur Halb­heit, der an un­se­rer Ganz­heit ar­bei­tet. Der Mut zu halb­rei­nen Ta­ten, baut an un­se­rer Rein­heit. Der Leh­rer, der ein Kind trös­tet, das nicht sei­nes ist, schaut viel­leicht heim­lich auf die Uhr und über­legt, wie viel Zeit ihn das kos­tet. Das Herz je­doch be­ginnt zu wach­sen. Man kann Gu­tes tun und dar­über gü­tig werden.

Ob­wohl wir ein Herz ha­ben, müs­sen wir uns im­mer wie­der ein Herz neh­men – ge­ra­de auch da, wo wir es noch nicht ha­ben, da­mit wir im­mer mehr Men­schen mit Herz werden.

Mein Schritt für mor­gen? Neh­men Sie sich Ihre Ge­dan­ken zur Hand und über­le­gen Sie ei­nen Mo­ment, wie Sie Ih­nen neue Wei­te ge­ben kön­nen. Wo kön­nen Sie mor­gen und in den nächs­ten Ta­gen sich ein Herz fassen.

 

GE­BET

Gott, du freust dich, wenn ein Mensch von Her­zen auf­rich­tig ist;
ver­hilf mir dazu und lass mich wei­se handeln!
Mach uns be­wusst, wie kurz das Le­ben ist,
da­mit wir un­se­re Tage wei­se nutzen!
HERR, wen­de dich uns zu!
Schen­ke uns dei­ne Lie­be je­den Mor­gen neu!
Dann kön­nen wir sin­gen und uns freu­en, so­lan­ge wir leben!
So vie­le Jah­re lit­ten wir un­ter Not und Bedrückung;
lass uns nun eben­so vie­le Jah­re Freu­de erleben!
Zei­ge uns, wie macht­voll du eingreifst;
auch un­se­re Kin­der sol­len dei­ne mäch­ti­gen Ta­ten sehen!
HERR, un­ser Gott! Zei­ge uns dei­ne Güte!
Lass un­se­re Mühe nicht ver­geb­lich sein!
Ja, lass un­se­re Ar­beit Früch­te tragen!
Dar­um bit­te ich dich. Amen.