In einem kuriosen Experiment sitzen zwei Kapuzineraffen nebeneinander in Käfigen. Sie lösen kleinere Aufgaben und werden mit Gurkenstücken belohnt. Eine Delikatesse für die kleinen Tiere. Alles läuft ruhig, bis der Versuchsleiter einem der Affen plötzlich Trauben statt Gurken als Lohn gibt. Es dauert nur Sekunden, bis der vermeintlich benachteiligte Affe die Ungerechtigkeit wahrnimmt. Verwirrt und empört verweigert er seine Gurken, rüttelt wütend am Käfig und boykottiert weitere Aufgaben. Warum er das tut? Weil er sich ungerecht behandelt fühlt und das, obwohl er weiterhin das bekommt, was ihn vorher noch glücklich gemacht hat.
Ein amüsantes, wenn auch nachdenklich stimmendes Experiment über die Konsequenzen des Vergleichens.
Was für Affen gilt, trifft auch auf uns Menschen zu. Wir vergleichen uns um Kopf und Kragen. Gestern warst du zufrieden mit deinem Job, deinem Körper, deiner Wohnung. Heute siehst du, was andere haben und plötzlich ist alles ungenügend. Dabei hat sich nichts verändert, außer deinem Blickwinkel. Vergleiche sind der direkte Weg zu Unzufriedenheit: denn sie rücken nicht das in den Fokus, was wir haben, sondern das, was uns (vermeintlich) fehlt. Und das hat Folgen.
Wer sich ständig mit anderen misst, findet immer jemanden, der schöner, reicher, erfolgreicher oder beliebter ist. Das nagt am Selbstwert. Statt uns über das zu freuen, was wir geschafft haben, fokussieren wir uns auf das, was wir noch nicht erreicht haben – zumindest im Vergleich zu anderen. Wir fühlen uns klein, ungenügend, hinterher.
Außerdem neigen Menschen dazu, die Erfolge anderer zu idealisieren, ohne die Herausforderungen und Rückschläge zu berücksichtigen, die sie möglicherweise durchlebt haben. So entstehen unrealistische Erwartungen an uns selbst. Wir setzen Maßstäbe, die wir kaum erreichen können, und fühlen uns dann noch schlechter.
Vergleichen erzeugt Druck. Es hält uns in einem ständigen Konkurrenzmodus. Wir verlieren die Freude am Tun und vergessen unsere eigenen Werte. Vergleiche entziehen dem Leben auf der Stelle die Kreativität, Zufriedenheit und Freude. Denn je mehr wir auf andere schauen, desto weniger nehmen wir unsere eigenen Talente wahr. Und wer sich ständig als schlechter oder weniger erfolgreich wahrnimmt, der wird sich schlimmstenfalls sogar aus sozialen Kontakten zurückziehen.
Das Tückische: Und selbst wenn wir schließlich besser aussehen als der Durchschnitt, mehr Geld verdienen als die meisten, bessere sportliche Leistungen erbringen als die Peergroup oder weitere Urlaubsreisen vorweisen können, so wird unser rastloser Geist doch stets diejenigen ausfindig machen, die uns erneut voraus sind. Die Messlatte verschiebt sich genauso schnell wie unsere Erfolge und die eigene Zufriedenheit bleibt auf der Strecke.
Was tun?
Ganz vermeiden lässt sich das Vergleichen wohl nicht. Aber du kannst lernen, es bewusst zu erkennen – und gegenzusteuern. Frag dich beim nächsten Vergleichsmoment: Nach wessen Maßstab bewerte ich mich gerade? Will ich das wirklich oder denke ich nur, dass ich es wollen müsste? Richte deinen Fokus auf deine eigenen Werte. Was ist dir wirklich wichtig? Reduziere den Konsum von Social Media – zumindest phasenweise. TikTok, Instagram & Co zeigen oft nur die Highlights, nie den Preis, der dafür gezahlt wurde.
Wenn du schon vergleichen willst, dann auch mal in die andere Richtung. Es gibt Menschen, die mit viel weniger auskommen müssen. Tu das nicht, um dich besser zu fühlen, sondern um wieder zu schätzen, was du hast.
Vor allem: Übe Dankbarkeit. Schreib dir regelmäßig auf, was gut läuft. Was du kannst. Wer für dich da ist. Dankbarkeit und Vergleichen schließen sich oft gegenseitig aus.
Und wenn du festhängst: Sprich mit jemandem. Ein Freund, eine Freundin, die dir zuhören, ohne zu werten. Denn: Du bist einzigartig.
Genieße das und entwickle Selbstakzeptanz. Zeit, den Blick zu wechseln.