Sag die Wahrheit
- „Der Wille zur Macht interpretiert […]. In Wahrheit ist Interpretation ein Mittel selbst, um Herr über etwas zu werden.“ Friedrich Nietzsche
- Wahrheitsansprüche sind nur noch Machtansprüche.
- Sachargumente sind unsinnig, weil es keine »Sachen« mehr gibt, die für alle gültig sein könnten.
- Diskussionen dienen nur noch bestimmte Sprechweisen zu legitimieren.
- Konstruktivismus: Gehirne sind in sich geschlossene Systeme, die die Welt gar nicht abbilden können. Im Sprechen nur unsere eigene individuelle Konstruktion von Wahrheit zum Besten.
- Dekonstruktivismus: Sprache bedeutet nichts außer Sprache; so etwas wie »Sinn« oder ein »Gemeintes« geht dem Sprechen nicht voraus, sondern folgt ihm erst nach.
Die Frage, für die keine objektive Lösung mehr sichtbar ist, lautet: Welche der Wahrheiten, die von Politikern, von Medien, im Internet, in Mailverteilern und von den Kanzeln angeboten werden, ist wirklich wahr?
- Es scheint außerhalb der eigenen Subjektivität kein Kriterium mehr zu geben, um das zu beurteilen.
- Der eine sagt »Meinungsfreiheit« oder »selbstständiges Denken«, der andere sagt »Verschwörungstheorie«, und jeder will damit sagen: Meine Version ist legitim und deine nicht.
Glaubensvermittlung in der Postmoderne
- Welche der angebotenen Wahrheiten hilft uns, Jesus Christus nachzufolgen und ihm immer ähnlicher zu werden (Röm 8,29; 2Kor 3,18)?
- Wenn der Leib Christi, die Gemeinschaft der Glaubenden, entlang den Rissen in der Gesellschaft in lauter tribes (engl. »Stämme«) zerfällt, was macht das mit dem universalen Auftrag, den Jesus seiner Kirche gab, alle Völker zu Jüngern zu machen (Mt 28,16−20)?
- „Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
- Wie kannst du in dem Universum, in dem du lebst, Jesus Christus glaubwürdig nachfolgen, sodass dein Leben mit seinem Licht im Einklang ist?
- Meine Aufgabe: Mk 2,1−12; Ich bin gesendet, den Menschen so, wie er ist, zu Jesus zu bringen und was ist nötig, dass ich als solch ein „Träger“ erkannt werde:
- »Obwohl ich also von niemandem abhängig bin, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich Juden gewinne, und ich bin den Heiden wie ein Heide geworden, damit ich Heiden gewinne. (…) Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten.« (vgl. Paulus im 1Kor 9,19−23).
- Wenn etwas weit über zweitausend Jahre hinweg zeitübergreifend, ortsübergreifend, kulturübergreifend und unabhängig von einer bestimmten Sozialform in Milliarden von Menschen vorgeht, dann ist es nach wissenschaftlichen Maßstäben extrem unwahrscheinlich, dass wir es mit einer bloßen Vorstellung, Einbildung oder Suggestion zu tun haben:
- »Ich werde sein, der ich sein werde«, zugleich »Ich bin, der ich bin«, im Alten Testament abgekürzt geschrieben mit dem sog. Tetragramm: JHWH (vgl. 2Mo 3,14).
Wahrheit & Sprache in der Bibel
- Das hebräische Wort für »Wahrheit« lautet dort ’ämät. Es bedeutet auch »Treue, Beständigkeit« (vgl. Psalm 119,160 oder Psalm 33,4).
- Gottes Wort erweist sich darin als wahr, indem geschieht, was er gesprochen hat (s. Schöpfungsbericht: Und Gott sprach… und es wurde).
- Das Verb zu ’ämät heißt ’aman (daher das Amen in der Kirche) und ist die Antwort und entsprechende ‚Treue‘-Reaktion des Menschen.
- Jesus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)
- Wahrheit ist eine Person, die man nie besitzen, sondern zu der man nur in Beziehung treten kann, um sie immer besser kennenzulernen.
- Es ist nicht das Wort von Rechthaberei und Hypermoralismus, nicht das Wort der Aktivisten, der Hater und derer, die Hater haten. Es ist nicht das bemächtigende Wort der macht‑, gesellschafts- und identitätspolitischen Diskurse, die wir in der Gegenwart erleben und dabei selbst erlernen: „Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.“ (Jes 42,2)
- Die neue Frage der Postmoderne lautet: »Wem glaube ich?« Sie hat die alte, moderne Frage »Was glaube ich?« ersetzt. Damit sind wir nah an der biblischen ‚Problemstellung‘.
Verschiebungen in der ‚Wahrheit‘
- Die gebildeten Griechen und Römer wollten wissen, ob dieser Glaube der Christen denkmöglich ist. Die Lehrer der Alten Kirche lösten diese Herausforderung, indem sie die zentralen Begriffe der Glaubenslehre und der Philosophie miteinander verbanden.
- Wahrheit = Richtigkeit von Glaubenssätzen
- Lutherische Unterscheidung: fides quae creditur = Sachwahrheit / fides qua creditur = Glaubensvollzug / fides formata = Glaubenspraxis
Die Kirche
- „Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. (Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,4−5)
- Damit die Kirche den Bezug zu Jesus wahrt, bedarf es der vier notae ecclesiae, der (Lebens-)Zeichen der Kirche:
- das Hören des Wortes Gottes, das die Apostel dem Auftrag Jesu gemäß verkündigten,
- die Gemeinschaft untereinander,
- die Feier des Abendmahls und
- das Gebet (vgl. Apg 2,42).