Zweifel & Anfechtung sind das Erleben einer Situation, in der der Bund/die Verbindung zwischen Gott und mir plötzlich durch irgendetwas infrage steht.
Jesus
Versuchung Nr. 1: Ich bin, was ich tue (Leistung)
Der Teufel sagt zu Jesus: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!“ Matthäus 4,3
Versuchung Nr. 2: Ich bin, was andere von mir denken (Beliebtheit)
Der Teufel sagt zu Jesus: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab.“ Matthäus 4,6
Versuchung Nr. 3: Ich bin, was ich habe (Besitz)
Der Teufel sagt zu Jesus: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ Matthäus 4,9
- Jesus bleibt in Treue bei der Wahrheit und Zuverlässigkeit von Gottes Wort. Wahre Freiheit haben wir dann erreicht, wenn wir unseren Mitmenschen nicht mehr vormachen müssen, ein anderer zu sein, weil wir wissen, dass wir liebenswert und gut genug sind.
Die größte aller Anfechtungen aber erduldete Jesus am Kreuz, als er Psalm 22,2 zitierte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
- Als Gott sich verbirgt und Gottes Wahrheit, Treue und Verlässlichkeit radikal infrage stehen, bleibt er ganz und gar auf Gott bezogen – im aufmerksamen Hören auf Gottes Worte und gegen allen Augenschein.
- Martin Luther, dessen gesamte Theologie sich aus Anfechtung heraus entwickelt hatte, gab eine bedenkenswerte Antwort, warum dem so ist: „Ohne Anfechtungen würden wir überhaupt nicht realisieren, dass Gottes Wort uns existenziell angeht. Wenn Gott sich unter dem Gegenteil verbirgt, dann will er sich von uns dort auf eine neue Weise finden lassen, damit wir ihn besser kennenlernen.“
König Jerobeam
Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum könnte wieder an das Haus David fallen. Wenn dieses Volk hinaufgeht, um im Haus des HERRN in Jerusalem Opfer darzubringen, wird sich sein Herz wieder seinem Herrn, dem König Rehabeam von Juda, zuwenden. Mich werden sie töten und zu Rehabeam, (…) zurückkehren. So ging er mit sich zu Rate, ließ zwei goldene Kälber anfertigen und sagte: „Es ist viel zu umständlich für euch, für jedes Opfer immer nach Jerusalem zu gehen! Seht, ihr Israeliten, hier ist euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat!“ 1Könige 12,26−28
- Prototyp eines dysfunktionalen Umgangs mit Anfechtungen:
- Distanz
- Subtraktion
- Substitution
Abraham
„Geh mit deinem einzigen Sohn Isaak, den du so sehr liebst, in die Gegend von Morija. Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als Opfer für mich verbrennen!“ Genesis 22,2
- Nimmt die Anfechtung an.
- Stellt sich dem ‚verborgenen Gott‘.
- Ringt mit Gott.
- Hält an den Verheißungen Gottes fest.
- Seine Methode ist also eine Intensivierung, ein »Jetzt erst recht«. Wenn man so will, war das eine »paradoxe Aktion«, die das genaue Gegenteil von dem tut, was sich eigentlich zwingend nahelegt, nämlich die Distanzierung. (Vgl. Hiob – Hiob 19,25 / König David – Psalm 73)
Jona
Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch fliehen, weit weg vom HERRN. Er ging also nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Er bezahlte das Fahrgeld und ging an Bord, um nach Tarschisch mitzufahren, weit weg vom HERRN. Jona 1,3
Jona antwortete ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, damit das Meer sich beruhigt und euch verschont! Denn ich weiß, dass dieser gewaltige Sturm durch meine Schuld über euch gekommen ist. Jona 1,12
- Von der Distanzierung zur Auseinandersetzung
Elija
Er sagte: „Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den HERRN, den Gott der Heerscharen, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.“ 1.Könige 19,10
- Die Anfechtung kommt aus der eigenen Seele (Angst), manifestiert sich im Fühlen (Enttäuschung) und er möchte sich am liebsten vom Leben abwenden, das Gott ihm gab. Das sind die klassischen Anzeichen eines Burn-outs.
- Dennoch hat sein Weg durch die Wüste ein Ziel: Gott selbst. Diese Zielrichtung qualifiziert die Auszeit als Auszeit und nicht als Distanzierung.
Emmaus-Jünger
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn gab, damit ein jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ Johannes 3,16
- Manchmal brauchen wir solche Spaziergänge: Wir vergessen manchmal, dass wir nicht die Ersten sind, die mit der Bibel leben. Es waren schon viele vor uns da. Sich in ihre Schriftauslegung mit hineinnehmen lassen.
Martin Luther
„In allem Leiden und Anfechtung soll der Mensch zuallererst zu Gott laufen“
- Luther benennt zwei entscheidende Ressourcen, um die Anfechtung (lat. tentatio) zu überwinden: Gebet (lat. oratio) und Schriftmeditation (lat. meditatio).