Eine Fra­ge der Führung

Eine Fra­ge der Führung

Das Per­fek­tio­nis­mus­pro­blem liegt in der Di­stanz zwi­schen IST und SOLL:

Wie gehe ich mit die­ser Di­stanz um? Ver­bit­tert, Re­la­xed, ich ma­che mich auf den Weg. Der Per­fek­tio­nist hat da­mit ein Pro­blem und des­halb macht er aus dem Soll ein MUSS. Die­ses Muss ist das Pro­blem des Per­fek­tio­nis­ten. Er hält die­se Di­stanz und Span­nung nicht aus.

 

Da­hin­ter lie­gen be­stimm­te Ängs­te:

  • Die Angst, das zen­tra­le Grund­be­dürf­nis nicht ge­stillt zu be­kom­men: an­ge­nom­men und ge­liebt zu sein, so wie ich bin. Der Per­fek­tio­nist ver­sucht al­les su­per zu ma­chen, um die­ser Furcht Herr zu wer­den und ver­wech­selt da­bei An­er­ken­nung mit Zuneigung.
  • Angst ei­nen Feh­ler zu ma­chen und sich so zu zei­gen wie man ist
  • Angst ab­ge­lehnt zu werden
  • Angst um mich selbst

Die­se Ängs­te teilt je­der, aber beim Per­fek­tio­nis­ten sind sie sehr gut aus­ge­prägt und per­fek­te Selbst­läu­fer. Das IST muss dem SOLL ent­spre­chen, an­sons­ten liebt mich keiner.

„Der Per­fek­tio­nist ist ein lie­bens­wer­ter Mensch, der nicht glau­ben kann, dass er lie­bens­wert ist.“ (Bonel­li) Ich bin viel­leicht lie­bens­wert, aber si­che­rer bin ich, wenn ich gut bin und per­fekt bin und zei­ge, was ich kann.

 

Der Per­fek­tio­nis­mus bringt Fol­gen mit sich:

  • Le­ben hin­ter der Mas­ke
  • Men­schen­furcht (Zwang zu ge­fal­len – lebt von der Zu­stim­mung der an­de­ren, Hun­ger nach Kom­pli­men­ten, stän­di­ges Ver­glei­chen, wenn je­mand an­de­res bes­ser ist als ich, dann kommt wie­der die Un­si­cher­heit: kann ich mit mei­nem Man­gel noch ge­liebt sein)
  • Blo­ckiert­sein (In­ne­res Dog­ma – Paul Watz­la­wick schätz­te be­son­ders den Ir­ren­witz, etwa von dem Mann, der alle zehn Se­kun­den in die Hän­de klatscht. Auf die Fra­ge, war­um, er­klärt er: „Um die Ele­fan­ten zu ver­scheu­chen.“ Rück­fra­ge: „Wel­che Ele­fan­ten bit­te?“ Ant­wort: „Na also! Se­hen Sie!“)
  • Ge­nuss­fä­hig­keit
  • Selbst­ver­damm­nis
  • Kri­ti­kun­fä­hig­keit
  • Iso­la­ti­on
  • Al­les-oder-Nichts-Den­ken
  • Un­barm­her­zi­ger Blick auf andere

 

Theo­lo­gie der Schwä­che entwickeln

Je­der ist zer­bro­chen ge­schä­digt und zer­ris­sen und unvollkommen

In 2Korinther 12 be­grün­det Pau­lus sei­ne Au­to­ri­tät als Apos­tel nicht auf sei­nen Vi­sio­nen und Of­fen­ba­run­gen von Gott, nicht auf sei­nen Er­fol­gen und Ga­ben, son­dern er be­ruft sich auf sei­ne Schwä­che. Er schreibt da­von, wie Gott zu­ge­las­sen hat, dass er ei­nen Sta­chel im Fleisch be­sitzt, um ihn de­mü­tig zu machen.

Es ist bis heu­te nicht ganz klar was es war, ob ein kör­per­li­ches Lei­den, eine schmerz­haf­te Er­fah­rung (dass man sich stän­dig ge­gen ihn stell­te und ihn miss­ver­stand), eine Ver­su­chung (zur Ver­bit­te­rung, auf­brau­sen­des Tem­pe­ra­ment). Egal was es war, es ent­mu­tig­te ihn. Trotz­dem be­zeich­net Pau­lus die­sen Dorn als Gabe:

Drei­mal schon habe ich den Herrn an­ge­fleht, mich da­von zu be­frei­en. Aber er hat zu mir ge­sagt: »Mei­ne Gna­de ist al­les, was du brauchst! Denn ge­ra­de wenn du schwach bist, wirkt mei­ne Kraft ganz be­son­ders an dir.« Dar­um will ich vor al­lem auf mei­ne Schwach­heit stolz sein. Dann näm­lich er­weist sich die Kraft von Chris­tus an mir. Und so tra­ge ich für Chris­tus al­les mit Freu­de – die Schwach­hei­ten, Miss­hand­lun­gen und Ent­beh­run­gen, die Ver­fol­gun­gen und Ängs­te. Denn ich weiß: Ge­ra­de wenn ich schwach bin, bin ich stark. (2Kor 12, 8–10)

Sei­ne Schwä­che war Zei­chen sei­nes Apos­tels­eins und sei­ner Vollmacht.

Der Sta­chel im Fleisch ließ ihn sich so schwach füh­len, dass er ge­zwun­gen war, von Gott ab­hän­gig zu sein.

Pau­lus hat sei­ne Schwä­che als Bot­schaft ver­stan­den: Wenn Gott mich für sei­ne Sa­che ge­brau­chen kann, dann kann er je­den gebrauchen

Kön­nen Sie sich vor­stel­len wie un­er­träg­lich die­ser Pau­lus wohl ohne die­sen Sta­chel ge­we­sen wäre?

 

Gren­zen er­ken­nen lernen:

  • Schaue dei­ne Per­sön­lich­keit an
  • Eher in­tro­ver­tiert oder ex­tro­ver­tiert, risikobereit
  • Schaue dei­ne Le­bens­pha­se an
  • Al­les hat sei­ne Zeit: Säen und Ern­ten, Wei­nen und La­chen, Teen­ager oder Alter
  • Schaue dir dei­ne emo­tio­na­le, kör­per­li­che und in­tel­lek­tu­el­le Be­last­bar­keit an
  • Schaue dir dei­ne zwie­späl­ti­gen Ge­füh­le an; Wut, De­pres­sio­nen, Zorn: Dei­ne Warnleuchten
  • Schaue dir dei­ne Nar­ben und Ver­let­zun­gen an

 

GE­BET

Ich bit­te dich Gott um Stärke,
aber du machst mich schwach, da­mit ich Bescheidenheit
und De­mut lerne.
Ich er­bit­te dei­ne Hil­fe, um gro­ße Ta­ten zu vollbringen,
aber du machst mich klein­mü­tig, da­mit ich gute Ta­ten vollbringe.
Ich bit­te um Reich­tum, um glück­lich zu werden,
aber du machst mich arm, da­mit ich wei­se werde.
Ich bit­te um alle Din­ge, da­mit ich das Le­ben ge­nie­ßen kann.
Du gibst mir das Le­ben, da­mit ich alle Din­ge ge­nie­ßen kann.
Ich er­hal­te nichts von dem, was ich erbitte,
aber al­les was gut für mich ist.
Ich bit­te dich Herr nur noch um Vertrauen,
da­mit ich im­mer mehr an dei­ne Güte glau­ben kann.

 

(in An­leh­nung an das Ge­bet ei­nes un­be­kann­ten Soldaten)