»Der Ritus beansprucht, die Verbindung mit einer aus der Transzendenz in die Welt einbrechenden Macht herzustellen. Solange sich die religiöse Erfahrung noch auf diese Praxis der Vergegenwärtigung einer starken Transzendenz stützen kann, bleibt sie ein Pfahl im Fleisch einer Moderne, die dem Sog zu einem transzendenzlosen Dasein nachgibt – und solange hält sie auch für die säkulare Vernunft die Frage offen, ob es unabgegoltene semantische Gehalte gibt, die noch einer Übersetzung ›ins Profane‹ harren.« Jürgen Habermas
Dieser semantische Gehalt lautet mit Blick auf die biblische Schöpfungsgeschichte:
- Das Böse beginnt fast nie spektakulär.
- Es beginnt leise.
- Es beginnt vernünftig.
- Es beginnt oft mit einem Gedanken, der sich sogar gut anfühlt.
Das Böse trägt selten Hörner. Es trägt Argumente.
GENESIS 3,16: Die Versuchung
Das Böse beginnt mit der Sprache. Die Versuchung wird als ein Sprechgeschehen gekennzeichnet, das eine Rutschbahn auslöst:
- Ein Gedanke / eine Stimme („Schau mal…“) – Reframing
- Lüge: Gott ist nicht gut.
- Aufmerksamkeitsbindung (Ich kreise darum.) – kognitives Priming
- Fokus: Konzentration auf den Mangel – selbst inmitten von Fülle.
- Begierde („Da sah die Frau… köstlich… Augenweide… verlockte…“)
- Verlangen: Worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, das ersehnst du.
- Handlung (Die Frau isst und gibt auch dem Mann davon.)
- Es ist typisch für das Böse, sich ausbreiten zu wollen. Unter anderem, um die eigenen Taten zu rechtfertigen.
- Folge: Scham, Angst, Verstecken, Beziehungsschäden
- Sünde ist Beziehungsabbruch:
- Zu sich selbst: Der Mensch erträgt sein Nacktsein nicht.
- Im Miteinander: Verantwortungsverschiebung, ‚sich verhüllen‘.
- Zu Gott: Der Mensch versteckt sich.
- Sünde ist Beziehungsabbruch:
Die Früchte des Bösen sind immer ein Mangel an Leben.
HANNAH ARENDT: Die Banalität des Bösen
Studierte das Böse anhand des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann
- Das Fehlen von dämonischen Motiven
- Gedankenlosigkeit als Ursache
- Die Rolle der Bürokratie
- Die Sprache als Barriere
Die Bedeutung von Verantwortung:
„Verantwortung läßt sich nicht delegieren wie eine Zuständigkeit im Amt. Wer handelt, bleibt der Urheber seiner Taten, auch wenn er sich noch so sehr hinter Befehlen und Institutionen verbirgt.“
„Verantwortung zu übernehmen heißt, die Welt, in der wir handeln, als unsere gemeinsame Welt anzuerkennen.“
WIE KOMMT DAS BÖSE IN DIE WELT
- Die Materie ist weder gut noch böse.
- Gedanken sind böse. Überzeugungen sind böse.
- Das Böse kann nur über den Menschen in die materielle Welt kommen. Denn der Mensch besitzt die Fähigkeit, seine Gedanken/Überzeugungen in Taten zu überführen.
MIT DER SEHNSUCHT LEBEN
- Wir müssen lernen, dass wir in Gott eine Fülle haben, obwohl wir nicht alles haben.
- Jesus stellt die Herrschaft des Menschen wieder her:
- Glaubt in jeder Situation an die ‚Gutheit‘ Gottes
- Befreit den Menschen von knechtenden Mächten
- Im Moment des Hungers wird Jesus versucht, die naheliegendste Option zu wählen. Doch Jesus flüchtet sich in die ‚Versorgung‘ Gottes und wir dadurch frei
- Die Botschaft lautet nicht: Du darfst keine Fehler machen; sondern eher: Du musst davon ausgehen, dass du Fehler machen wirst. Bring sie regelmäßig ans Licht.
- Ich bin verantwortlich für das Böse, das ich tue. Aber es ist nicht der Kern meiner Identität.
- Das verhindert zwei Ausreden:
- „Ich bin nicht schuld“ (falsch)
- „Ich bin halt so“ (auch falsch)
- Das heißt auch: Der Andere ist auch nie Kern des Problems:
Zum Schluss noch ein Wort an euch alle: Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid! Lasst euch mit seiner Macht und Stärke erfüllen! Greift zu all den Waffen, die Gott für euch bereithält, zieht seine Rüstung an! Dann könnt ihr alle heimtückischen Anschläge des Teufels abwehren. Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben. Darum nehmt all die Waffen, die Gott euch gibt! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld behaupten und den Sieg erringen. Bleibt standhaft! Die Wahrheit ist euer Gürtel und Gerechtigkeit euer Brustpanzer.
Epheser 6,10−14
- Wie viel weniger Gewalt, Kriege und Schlechtes wäre in der Welt passiert, wenn Menschen begriffen hätten, dass nicht andere Menschen ihre Hauptgegner sind.