Das Böse

»Der Ri­tus be­an­sprucht, die Ver­bin­dung mit ei­ner aus der Tran­szen­denz in die Welt ein­bre­chen­den Macht her­zu­stel­len. So­lan­ge sich die re­li­giö­se Er­fah­rung noch auf die­se Pra­xis der Ver­ge­gen­wär­ti­gung ei­ner star­ken Tran­szen­denz stüt­zen kann, bleibt sie ein Pfahl im Fleisch ei­ner Mo­der­ne, die dem Sog zu ei­nem tran­szen­denz­lo­sen Da­sein nach­gibt – und so­lan­ge hält sie auch für die sä­ku­la­re Ver­nunft die Fra­ge of­fen, ob es un­ab­ge­gol­te­ne se­man­ti­sche Ge­hal­te gibt, die noch ei­ner Über­set­zung ›ins Pro­fa­ne‹ har­ren.«  Jür­gen Habermas

Die­ser se­man­ti­sche Ge­halt lau­tet mit Blick auf die bi­bli­sche Schöpfungsgeschichte:

  • Das Böse be­ginnt fast nie spektakulär.
  • Es be­ginnt leise.
  • Es be­ginnt vernünftig.
  • Es be­ginnt oft mit ei­nem Ge­dan­ken, der sich so­gar gut anfühlt.

Das Böse trägt sel­ten Hör­ner. Es trägt Argumente.

GE­NE­SIS 3,16: Die Versuchung
Das Böse be­ginnt mit der Spra­che. Die Ver­su­chung wird als ein Sprech­ge­sche­hen ge­kenn­zeich­net, das eine Rutsch­bahn auslöst:

  1. Ein Ge­dan­ke / eine Stim­me („Schau mal…“) – Reframing
    • Lüge: Gott ist nicht gut.
  2. Auf­merk­sam­keits­bin­dung (Ich krei­se dar­um.) – ko­gni­ti­ves Priming
    • Fo­kus: Kon­zen­tra­ti­on auf den Man­gel – selbst in­mit­ten von Fülle.
  3. Be­gier­de („Da sah die Frau… köst­lich… Au­gen­wei­de… verlockte…“)
    • Ver­lan­gen: Wor­auf du dei­ne Auf­merk­sam­keit rich­test, das er­sehnst du.
  4. Hand­lung (Die Frau isst und gibt auch dem Mann davon.)
    • Es ist ty­pisch für das Böse, sich aus­brei­ten zu wol­len. Un­ter an­de­rem, um die ei­ge­nen Ta­ten zu rechtfertigen.
  5. Fol­ge: Scham, Angst, Ver­ste­cken, Beziehungsschäden
    • Sün­de ist Beziehungsabbruch:
      1. Zu sich selbst: Der Mensch er­trägt sein Nackt­sein nicht.
      2. Im Mit­ein­an­der: Ver­ant­wor­tungs­ver­schie­bung, ‚sich verhüllen‘.
      3. Zu Gott: Der Mensch ver­steckt sich.

Die Früch­te des Bö­sen sind im­mer ein Man­gel an Leben.

HAN­NAH ARE­NDT: Die Ba­na­li­tät des Bösen
Stu­dier­te das Böse an­hand des SS-Ober­sturm­bann­füh­rers Adolf Eichmann

  1. Das Feh­len von dä­mo­ni­schen Motiven
  2. Ge­dan­ken­lo­sig­keit als Ursache
  3. Die Rol­le der Bürokratie
  4. Die Spra­che als Barriere

Die Be­deu­tung von Verantwortung:

„Ver­ant­wor­tung läßt sich nicht de­le­gie­ren wie eine Zu­stän­dig­keit im Amt. Wer han­delt, bleibt der Ur­he­ber sei­ner Ta­ten, auch wenn er sich noch so sehr hin­ter Be­feh­len und In­sti­tu­tio­nen verbirgt.“

„Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men heißt, die Welt, in der wir han­deln, als un­se­re ge­mein­sa­me Welt anzuerkennen.“

WIE KOMMT DAS BÖSE IN DIE WELT

  • Die Ma­te­rie ist we­der gut noch böse.
  • Ge­dan­ken sind böse. Über­zeu­gun­gen sind böse.
  • Das Böse kann nur über den Men­schen in die ma­te­ri­el­le Welt kom­men. Denn der Mensch be­sitzt die Fä­hig­keit, sei­ne Gedanken/Überzeugungen in Ta­ten zu überführen.

MIT DER SEHN­SUCHT LEBEN

  1. Wir müs­sen ler­nen, dass wir in Gott eine Fül­le ha­ben, ob­wohl wir nicht al­les haben.
  2. Je­sus stellt die Herr­schaft des Men­schen wie­der her:
    • Glaubt in je­der Si­tua­ti­on an die ‚Gut­heit‘ Gottes
    • Be­freit den Men­schen von knech­ten­den Mächten
    • Im Mo­ment des Hun­gers wird Je­sus ver­sucht, die na­he­lie­gends­te Op­ti­on zu wäh­len. Doch Je­sus flüch­tet sich in die ‚Ver­sor­gung‘ Got­tes und wir da­durch frei
  3. Die Bot­schaft lau­tet nicht: Du darfst kei­ne Feh­ler ma­chen; son­dern eher: Du musst da­von aus­ge­hen, dass du Feh­ler ma­chen wirst. Bring sie re­gel­mä­ßig ans Licht.
    • Ich bin ver­ant­wort­lich für das Böse, das ich tue. Aber es ist nicht der Kern mei­ner Identität.
    • Das ver­hin­dert zwei Ausreden:
      • „Ich bin nicht schuld“ (falsch)
      • „Ich bin halt so“ (auch falsch)
    • Das heißt auch: Der An­de­re ist auch nie Kern des Problems:

Zum Schluss noch ein Wort an euch alle: Wer­det stark, weil ihr mit dem Herrn ver­bun­den seid! Lasst euch mit sei­ner Macht und Stär­ke er­fül­len! Greift zu all den Waf­fen, die Gott für euch be­reit­hält, zieht sei­ne Rüs­tung an! Dann könnt ihr alle heim­tü­cki­schen An­schlä­ge des Teu­fels ab­weh­ren. Denn wir kämp­fen nicht ge­gen Men­schen, son­dern ge­gen Mäch­te und Ge­wal­ten des Bö­sen, die über die­se gott­lo­se Welt herr­schen und im Un­sicht­ba­ren ihr un­heil­vol­les We­sen trei­ben. Dar­um nehmt all die Waf­fen, die Gott euch gibt! Nur gut ge­rüs­tet könnt ihr den Mäch­ten des Bö­sen wi­der­ste­hen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld be­haup­ten und den Sieg er­rin­gen. Bleibt stand­haft! Die Wahr­heit ist euer Gür­tel und Ge­rech­tig­keit euer Brustpanzer.
Ephe­ser 6,10−14

  • Wie viel we­ni­ger Ge­walt, Krie­ge und Schlech­tes wäre in der Welt pas­siert, wenn Men­schen be­grif­fen hät­ten, dass nicht an­de­re Men­schen ihre Haupt­geg­ner sind.